Architektur & Architekten

Vom Kasten zum Kirchenzelt – Olaf Andreas Gulbranssons Konzeption der Evangelisch-Lutherischen Christuskirche zu Steinen

OLYMPUS DIGITAL CAMERAElf Meter in der Breite, elf Meter in der Tiefe, elf Meter in der Höhe – aus diesem Würfel entwickelte Olaf Andreas Gulbransson die Evangelisch-Lutherische Christuskirche zu Steinen als Kirchenzelt.

Die vier Ecken des Würfels dienen als hohe Stangen, zwischen die das Zelt gespannt ist; von ihnen aus zur Mitte jeder Seite senkt sich das Zeltdach nach unten, wie von starken Seilen gehalten durch die kupfernen Regen-Abfallrohre … Aufsteigenden Pilgern gleich gelangen die Besucher über zwei neben den beiden anderen Ecken anlangenden Treppen an die kupferbeschlagenen Pforten der Kirche.

Der Blick der Eintretenden wird sofort gefangengenommen von der hohen Altarwand, die quer vor der Süd-Ost-Ecke aufgerichtet ist; sie gibt Zeugnis vom Leben, Wirken, Leiden und Sterben Jesu und von der Himmel und Erde verbindenden Kraft des Auferstandenen. Vor diesem Bild, auf einer halbrunden Plattform, lädt der Altar ein zum Mahl des Herrn, rechts daneben wird von einer schlanken Kanzel das Wort der Heiligen Schrift ausgelegt; neben der Altarstufe links werden die Täuflinge in einer kleinen halbrunden Nische am Taufstein mit dem Wasser des Lebens in die Jüngerschaft Jesu aufgenommen.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA… Aus der dem Altar gegenüberliegenden Ecke schickt die Orgel ihren Klang in die Höhen der zeltartig anmutenden Decke über dem Kirchenraum …

Besucher und Mitfeiernde können viele kleine Details entdecken – etwa, wie die Steine am Boden auf den Altar hin verlegt sind … die runden weißen Glaszylinder der Lampen an den Wänden erinnern an die Wandleuchter alter Kirchen mit ihren großen Kerzen …

Tageslicht erhellt die Kirche durch raumhohe, schmale, mit Glasbausteinen ausgefüllte Lichtbänder und ein kleines, in Kreuzform gestaltetes Fenster, dessen auf den Bahngleisen von Steinen gefundenes Glas einer zerborstenen Signalanlage an sonnigen Vormittagen Taufkapellenfensterdie Taufstein-Nische in leuchtendes Rot, die Farbe des Heiligen Geistes, taucht …

Wer sich diesem Raum aussetzt, kann erfahren, was Olaf Andreas Gulbransson mit seinen Kirchenbauten zu vermitteln suchte: „Der Kirchenbau ist … von einer beruhigenden, für manchen aber beunruhigenden Zwecklosigkeit. Der Bau, der Raum geben soll für die Begegnung des Menschen mit Gott, ist nicht in erster Linie an den Zweck gebunden, sondern an den Sinn.“ (Poscharsky 1966, S. 10).

© Pfarrer Andreas Heinicke; Bilder und Texte entnommen der Festschrift